Umgezogen in eine neue Gegend, mir kommt vor vielleicht in ganz neue Sphären und ganz sicher in ein ganz neues Leben. Auch wenn der Mann (auch wenn Mann sich so komisch anhört, so als ob ich eine Frau wäre... haha. Fühlt man sich eigentlich irgendwann nicht mehr als Mädl sondern als Frau?), der so eben selig in seinen Bildschirm neben mir auf dem Bett starrt schon seit einer ganzen Weile der selbe ist und an dessen Seite ich schließlich in einem Gefühl innigster und tiefster Geborgenheit einschlafen darf, ist es nun doch noch mal etwas anderes. Noch vorgestern ging ich von SEINER Wohnung in MEINE Wohnung um mir dort Frühstück zu machen und mich anschließend ungestört meiner Arbeit (zu dieser irgendwann anders) zu widmen. Nun ist es UNSERE Wohnung, in der wir Seite an Seite liegen und heute unsere erste Nacht verbringen werden.
Die Wohnung selber ist schön und... nein, groß ist sie eigentlich nicht. 50 Quadratmeter ist nicht unbedingt die Welt. Aber ich erzähl Ihnen was - sie ist urgemütlich! Schöner Parkettboden, zwar gewöhnungsbedürftige aber eigentlich doch niedliche Fliesen in Küche, Flur und Bad im 70er-Stil (eine Freundin meinte, die Flurfliesen würden sehr marokkanisch anmuten. Seitdem finde ich sie cool und bin ein wenig von der Idee abgekommen, sie mit einem Teppich zu kaschieren). Die Küche bietet endlich endlich Platz für alles was es an Waffelteig-Anrühren (jeden Sonntag), Obstschneiden und Salatschüsseln anrichten (jeden Tag) nun mal bedarf. Tatsächlich ist auch in den Küchenregalen sowie -schubläden soviel Platz, das man quasi jeder Reispackung und jedem Töpfchen mit Misosuppeninhalt ein eigenes Fach widmen könnte. Ich glaube, wir haben zu wenig Kochutensilien. Vielleicht liegt das daran, dass wir beide eher der Spezies "Habe Hunger, brauche was. Jetzt." angehören. Da braucht man keine Spätzle- oder Brotbackmaschinen, dafür bleibt keine Zeit angesichts knurrenden Magens. Denn erst mit diesem eilt man in die Küche. Das Prinzip Pfanne und das, was halt im Kühlschrank und noch halbwegs genießbar ist, funktioniert damals wie heute fantastisch.
Ich habe mich wahnsinnig auf das gefreut, was hier und jetzt beginnt. Mein neues Leben, unser neues Leben. Und mit guten Freunden auf der improvisierten Couch (tatsächlich ist es mein Bett) nach einem Besuch in einem guten Italiener peinliches Proleten-TV kuckend (DSDS) hat sogar noch eine Mietzi bei uns vorbeigeschaut, die neugierig an unserem Fenster vorbeistrich. Unser Fenster ist tatsächlich eine ganze Fensterwand plus Fenstertür und der Blick ist hinaus ins Paradies. Ich sag ja, hier lässts sich leben.
Noch ein paar Worte zum Paradies: Wer gedacht hat, es sei nicht möglich, direkt neben dem Kern einer immerhin 145.000 Einwohnerstadt und trotzdem gefühlt total in der Pampa mit quasi unberührter Natur zu leben, der irrt. Wir tun das. Das Nonntal ist mein neu auserkorener Lieblingsstadtteil in ganz Salzburg. Direkt vor unserem Haus breitet sich eine gigantische Wiese aus, Bach direkt nebenan, Weiher ein kleines Stück weiter und überhaupt befindet sich hier tatsächlich der Übergang von Stadt und Land.
Es war schon ein besonderes Gefühl, als ich, von meinem Herzallerliebsten zum Klorolleneinkauf geschickt, meinen Weg, statt die nächste Straße entlang, über Felder und Wiesen antrat. Klingt jetzt irgendwie ironisch, aber ich meine es ernst. Ich bin überglücklich. Es hätte nur noch der Stock an der ich ein kariertes Tuch befüllt mit Proviant angebunden und nun mit einem fröhlichen Pfeifen schlendernd über meiner Schulter getragen hätte. Endgültig wie Alice im Wunderland fühlte ich mich, als ich beim Rückweg eine andere Route wählte, und unversehens (und zugegebenermaßen nach einer kleinen Kletteraktion) im Garten eines sehr entspannt in seiner Hängematte daliegenden 60-somethings landete. Ich stammelte noch eine Entschuldigung, aber der arme Herr war an Besucher offensichtlich ohnehin bereits gewöhnt und hatte sich damit abgefunden. Das Beeindruckende an dem Garten: Wenn es so etwas wie einen Infinity-Garten gibt, dann ist das eindeutig der! Kein Zaun, dafür wildes Gras und wild wachsende Blumen in einer Riesenfarbpalette und wirklich bis in den Horrizont hinein. So als obs da sonst nichts mehr gäbe außer diese bunte Wiese. Ich war sprachlos. Stapfte dann relativ entschlossen (um den armen Kerl nicht weiter zu belästigen) weiter meines Weges "Ja weißt denn überhaupt, wost hie willst, Madl?", fragte mich der entspannte Herr, der sich nun glaub ich ein wenig amüsierte. "Zur Festung?", piepste ich (nein, wir wohnen nicht in der Festung, ist nur die selbe Richtung). Er zeigte in die entgegen gelegene Richtung. Na gut.
Was für ein Abenteuer. Wie eine Reise. Nur dass wir keinen Urlaub machen, sondern jetzt echt hier wohnen. In meiner neuen Lieblingsgegend ín meiner wie gehabten Lieblingsstadt.
Und das Haus riecht übrigens wie das meiner Oma, mit dem ich allerschönste Kindheitserinnerungen verbinde. Gibts bessere Startbedingungen?

Juhu! marokkanische Fliesen!
AntwortenLöschenUnd: Spätzlereibe borgen wir bei Bedarf gern her. Und ein Brotbackautomat ist ohnehin überbewertet :)