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Was ich hier zur Zeit erleben darf, ist für mich einfach schier unglaublich. Fast fühle ich mich, als wäre ich spontan in einem ziemlich kitschigem Disneyfilm oder einer dieser "Oh-Happy-Day"-Werbungen für Landliebe-Puddings oder Streichkäse gelandet. Zum Glück holt mich immer mal wieder was in die (dennoch ziemlich weich gezeichnete und von grünen Wiesen und nach zwitschernden Vögeln klingende) Wirklichkeit zurück. Zum Beispiel wenn ich mich wie gerade eben hoffnungslos auf der Suche nach einem Supermarkt verlaufe. Oder wenn die Uni doch mal eher semispannend ist.
Aber ich will ehrlich sein, das Leben hier ist ein Traum. Es beginnt, wenn ich morgens in der Früh nach obligatorischem Frühstück und Verabschiedung meines Lieblingsmenschens die Tür aufmache und erstmal nur eins höre: Vogelgezwitscher. In rauen Mengen und in den unterschiedlichsten Tonarten und Artikulationsweisen. Es geht weiter, wenn ich dann einfach den Berg hinaufsteigen kann, ohne Straße oder ähnliches überqueren zu müssen und auch nur in die Nähe der nächsten befahrenen Straße zu kommen.
Es gipfelt darin, dass ich mir nichts dir nichts eine tolle Aussicht habe - links mein heißgeliebtes Nonntal, das ich nun meine Heimat nennen darf und rechts die Stadt, weitaus mondäner aber eben so schön wie Salzburg eben ist. Natürlich wäre aber all das nicht so schön, wenn ich es nur für mich hätte und mir nur ins eigene Fäustchen grinsen könnte, über das was ich hier so sehe. Dass es uns beiden hier so gut gefällt, das ist es, was mich eigentlich am allerglücklichsten macht.
Und vielleicht dieser süße süße Kater, der uns allabendlich besuchen kommt. Ich nenne ihn Katerchen. Ob der wohl wem gehört?
Ich hoffe ja, der Spruch "What comes up..." stimmt nicht, denn sonst ginge es schon tief hinunter. Ich gebe einfach mein Bestes, um das zu verhindern. Viel mehr glaube ich an Karma. Seit es mir so gut geht, fällt es mir noch leichter, unbeschwert in den Tag zu gehen und besonders nett mit meinen Mitmenschen umzugehen. Einzig muss ich gestehen - geduldiger geworden bin ich definitiv NICHT. Ich stehe nicht gern an und warte nicht gern auf Leute und kann auch gaaanz sicher nicht Stunden lang etwas anschauen. Aber mal sehen was dieser himmlische Ort mit mir noch so vorhat.
Auch die Schreibarbeit (die bezahlte, nicht der Blog) läuft gut. Beruflich bin ich nämlich (versprach ich das letzte Mal zu erzählen) tätig für die Salzburger Stadtnachrichten, also eine Lokalzeitung hier, für das SalzburgerLand Magazin und verschiedene Agenturen. Vielleicht bin ich sogar bald als Fotografin unterwegs. Dazu evtl. später.
Ich bin grad dran an einigen Geschichten für die Zeitung. Es ist ziemlich cool, zu Orten hinzufahren, mit Leuten zu reden und am Ende mit einem Artikel letztlich das zu verarbeiten, was man so eben gesehen hat. Aufgrund der begrenzten Zeichenanzahl eines Zeitungsberichtes ähnelt das Konstrukt leider am Ende eher einer Presswurst denn einer gründlichen Verarbeitung. Man muss soviel weglassen, das tut schon manchmal weh. Es gibt meistens einfach noch so viel mehr zu erzählen.
Manchmal habe ich auch Angst, dass ich das gar nicht hinkriege, einen guten Text zu schreiben. Besonders wenn viel Information ist, empfinde ich es zunächst als absurd, das in ein paar Zeilen zu quetschen. Doch wenn ich mir dann vorstelle, wie ich es jemandem erzählen würde, den ich ja auch nicht ewig mit meiner Geschichte belästigen will (so wie diese Menschen die einfach nie zur Pointe zu kommen scheinen (blablabla... jeeeeedenfalls...)), klappt das meistens ganz gut. Man darf nicht zu streng mit sich sein. Schätze das gilt für das meiste im Leben.
Mit dieser Lebensweisheit entlasse ich mich nun ins Freie (das Wetter ist wunderschön und mein Termin heut hat mir abgesagt) und Sie, liebe Leser, dorthin, wo auch immer Sie gerne hinwollen. Und bitte verzeihen Sie mir diesen sentimental-kitschigen Pathos, den ich zur Zeit einfach nicht los werde. Muss der Frühling sein.
PS.: Gleich bei uns ist ein riesiger "Bauernhof" samt Weide voll mit Kühen (so flauschige braune), Ziegen und Schweine. Und Flamingos. Kein Scheiß.
PPS.: Momentan mein neuer "heißer Scheiß" ausm Radio, habs ungelogen sicher an die hundertmal gehört bis jetzt und es ist noch kein Ende des Hörvergnügens in Sicht:
St. Vincent - Digital Witness
Das Video ist da auch ziemlich cool.
Uuund ebenfalls derzeit im Radio und schön wenngleich mit recht kitschig anmutendem Video: Laleh- Some die young
Umgezogen in eine neue Gegend, mir kommt vor vielleicht in ganz neue Sphären und ganz sicher in ein ganz neues Leben. Auch wenn der Mann (auch wenn Mann sich so komisch anhört, so als ob ich eine Frau wäre... haha. Fühlt man sich eigentlich irgendwann nicht mehr als Mädl sondern als Frau?), der so eben selig in seinen Bildschirm neben mir auf dem Bett starrt schon seit einer ganzen Weile der selbe ist und an dessen Seite ich schließlich in einem Gefühl innigster und tiefster Geborgenheit einschlafen darf, ist es nun doch noch mal etwas anderes. Noch vorgestern ging ich von SEINER Wohnung in MEINE Wohnung um mir dort Frühstück zu machen und mich anschließend ungestört meiner Arbeit (zu dieser irgendwann anders) zu widmen. Nun ist es UNSERE Wohnung, in der wir Seite an Seite liegen und heute unsere erste Nacht verbringen werden.
Die Wohnung selber ist schön und... nein, groß ist sie eigentlich nicht. 50 Quadratmeter ist nicht unbedingt die Welt. Aber ich erzähl Ihnen was - sie ist urgemütlich! Schöner Parkettboden, zwar gewöhnungsbedürftige aber eigentlich doch niedliche Fliesen in Küche, Flur und Bad im 70er-Stil (eine Freundin meinte, die Flurfliesen würden sehr marokkanisch anmuten. Seitdem finde ich sie cool und bin ein wenig von der Idee abgekommen, sie mit einem Teppich zu kaschieren). Die Küche bietet endlich endlich Platz für alles was es an Waffelteig-Anrühren (jeden Sonntag), Obstschneiden und Salatschüsseln anrichten (jeden Tag) nun mal bedarf. Tatsächlich ist auch in den Küchenregalen sowie -schubläden soviel Platz, das man quasi jeder Reispackung und jedem Töpfchen mit Misosuppeninhalt ein eigenes Fach widmen könnte. Ich glaube, wir haben zu wenig Kochutensilien. Vielleicht liegt das daran, dass wir beide eher der Spezies "Habe Hunger, brauche was. Jetzt." angehören. Da braucht man keine Spätzle- oder Brotbackmaschinen, dafür bleibt keine Zeit angesichts knurrenden Magens. Denn erst mit diesem eilt man in die Küche. Das Prinzip Pfanne und das, was halt im Kühlschrank und noch halbwegs genießbar ist, funktioniert damals wie heute fantastisch.
Ich habe mich wahnsinnig auf das gefreut, was hier und jetzt beginnt. Mein neues Leben, unser neues Leben. Und mit guten Freunden auf der improvisierten Couch (tatsächlich ist es mein Bett) nach einem Besuch in einem guten Italiener peinliches Proleten-TV kuckend (DSDS) hat sogar noch eine Mietzi bei uns vorbeigeschaut, die neugierig an unserem Fenster vorbeistrich. Unser Fenster ist tatsächlich eine ganze Fensterwand plus Fenstertür und der Blick ist hinaus ins Paradies. Ich sag ja, hier lässts sich leben.
Noch ein paar Worte zum Paradies: Wer gedacht hat, es sei nicht möglich, direkt neben dem Kern einer immerhin 145.000 Einwohnerstadt und trotzdem gefühlt total in der Pampa mit quasi unberührter Natur zu leben, der irrt. Wir tun das. Das Nonntal ist mein neu auserkorener Lieblingsstadtteil in ganz Salzburg. Direkt vor unserem Haus breitet sich eine gigantische Wiese aus, Bach direkt nebenan, Weiher ein kleines Stück weiter und überhaupt befindet sich hier tatsächlich der Übergang von Stadt und Land.
Es war schon ein besonderes Gefühl, als ich, von meinem Herzallerliebsten zum Klorolleneinkauf geschickt, meinen Weg, statt die nächste Straße entlang, über Felder und Wiesen antrat. Klingt jetzt irgendwie ironisch, aber ich meine es ernst. Ich bin überglücklich. Es hätte nur noch der Stock an der ich ein kariertes Tuch befüllt mit Proviant angebunden und nun mit einem fröhlichen Pfeifen schlendernd über meiner Schulter getragen hätte. Endgültig wie Alice im Wunderland fühlte ich mich, als ich beim Rückweg eine andere Route wählte, und unversehens (und zugegebenermaßen nach einer kleinen Kletteraktion) im Garten eines sehr entspannt in seiner Hängematte daliegenden 60-somethings landete. Ich stammelte noch eine Entschuldigung, aber der arme Herr war an Besucher offensichtlich ohnehin bereits gewöhnt und hatte sich damit abgefunden. Das Beeindruckende an dem Garten: Wenn es so etwas wie einen Infinity-Garten gibt, dann ist das eindeutig der! Kein Zaun, dafür wildes Gras und wild wachsende Blumen in einer Riesenfarbpalette und wirklich bis in den Horrizont hinein. So als obs da sonst nichts mehr gäbe außer diese bunte Wiese. Ich war sprachlos. Stapfte dann relativ entschlossen (um den armen Kerl nicht weiter zu belästigen) weiter meines Weges "Ja weißt denn überhaupt, wost hie willst, Madl?", fragte mich der entspannte Herr, der sich nun glaub ich ein wenig amüsierte. "Zur Festung?", piepste ich (nein, wir wohnen nicht in der Festung, ist nur die selbe Richtung). Er zeigte in die entgegen gelegene Richtung. Na gut.
Was für ein Abenteuer. Wie eine Reise. Nur dass wir keinen Urlaub machen, sondern jetzt echt hier wohnen. In meiner neuen Lieblingsgegend ín meiner wie gehabten Lieblingsstadt.
Und das Haus riecht übrigens wie das meiner Oma, mit dem ich allerschönste Kindheitserinnerungen verbinde. Gibts bessere Startbedingungen?